Bericht von G. Schubert aus dem Bethlehemstift

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Die Journalistin Gundula Schubert besuchte uns am 23. Juli 2016 im Bethlehemstift, führte einige Interviews und warf einen Blick in die Proben von Orchester und Chor. Ihr Bericht erschien im "Sonntag", Ausgabe Nr. 31 vom 31. Juli 2016. Dank der freundlichen Genehmigung von der Autorin und der Zustimmung der Redaktion des "Sonntag" dürfen wir den Bericht an dieserStelle veröffentlichen.


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Urlaub mit Orchester

Bei der Chor- und Instrumentalwoche in Hohenstein-Ernstthal geht es um »letzte Dinge«

Schon zum 47. Mal seit 1966 führte die Sächsische Chor– und Instrumentalwoche – kurz SCIW – Laien und Berufsmusiker aus Sachsen, Thüringen und der Welt zusammen. Im Bethlehemstift Hohenstein-Ernstthal probten einhundert Menschen zwischen zehn und siebzig Jahren begeistert ihr diesjähriges Programm. »Wir nennen es unsere Oase der sommerlichen Fröhlichkeit«, verrät der ehrenamtliche Koordinator Thomas Fiedler (51). Mittags gibt es Yoga- und Atemübungen. Der nahe Stausee sorgt für Abkühlung.

Der musikalische Gesamtleiter Georg Christoph Sandmann (51) genießt die optimalen Bedingungen und die Arbeit an den anspruchsvollen Werken: »In diesem Jahr führen wir mit Louis Spohrs ›Die letzten Dinge‹ das Schlüsselwerk zwischen dem 18. und dem 19.Jahrhundert auf, einen musikalischen Brennspiegel seiner Zeit.« Außerdem erklingen Orgel- und Chorwerke. »Bei den A-cappella-Werken singen einige der Instrumentalisten im Chor mit«, verrät Chorleiterin Katharina Reibiger (34). Die Dresdner Kantorin arbeitet im Leitungsteam auf Augenhöhe mit Ehrenamtlichen und Kollegen. Die Teilnehmer kommen aus Sachsen, Thüringen, Berlin und Wisconsin. Die meisten von ihnen sind jedes Jahr dabei.

Die »erste Oboe« Julia Ackfeld (34) ist zum ersten Mal da: »Mein Partner gehört seit Jahren dazu und hat mich mitgebracht. Ich habe es nicht bereut.« Sogar eine Kinderbetreuung wird von einer Musikerin angeboten, beim bunten Abend, dem »heimlichen Höhepunkt« präsentieren alle ihre versteckten Talente und komödiantischen Fähigkeiten. Beim größten Projekt im Kalenderdes Sächsischen Kirchenchorwerkes fehlt aber auch der geistliche Rahmen nicht. Fast alle nehmen an den morgendlichen Andachten teil, die Ausgestaltung des Gottesdienstes in der Gersdorfer Marienkirche ist Tradition.

Einer der Dienstältesten, Kontrabassist Ernst-Martin Kibelka (59), erinnert sich: »Wir waren in den Jahren an verschiedenen Orten, seit sechs Jahren sind wir hier.« Als Paul Eberhard Kreisel, der Kantor der Zwickauer Marienkirche, die SCIW 1966 ins Leben rief, habe das eine wunderbare Gelegenheit für Christen in der DDR bedeutet, einander zu begegnen, miteinander zu musizieren, sich auszutauschen, so Kibelka. Wenn die »Wende« auch viele Traditionen hat abbrechen lassen, die SCIW führt bis heute Menschen und Generationen zusammen – auch Jugendliche schätzen die Gemeinschaft.
Gundula Schubert

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Das Oratorium »Die letzten Dinge« (Louis Spohr) und andere Chorwerke werden aufgeführt am 30. Juli, 19 Uhr in der Marienkirche Gersdorf und am 31. Juli, 17 Uhr in der Martin-Luther-Kirche Dresden.