2018 - Hohenstein-Ernstthal

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49. Sächsische Chor- und Instrumentalwoche
Datum: 29. Juni bis 8. Juli 2018
Ort: Hohenstein-Ernstthal
Leitung: Georg Christoph Sandmann und Katharina Reibiger
Konzerte: Gersdorf und Dresden
huettengrund

Ein Tagebuch zur 49. SCIW

Freitag, 29.06.2018
17:30 Uhr – Ankunft
„Sie haben Ihr Ziel erreicht. Das Ziel liegt rechts.“ Ähhh, und wo muss ich da jetzt rein? Wo ist die Einfahrt? Wusch! Vorbei! Da wäre sie gewesen. Na toll, das fängt ja gut an. Also wenden, nochmal langsam herantasten und todesmutig das Hügelchen der Einfahrt hinunterrollen. Geschafft! Endlich! Nach langen Wochen voller Vorfreude und intensiver Planung ist es endlich soweit: die 49. SCIW beginnt. Jetzt heißt es erstmal Parkplatz suchen. Da kann man ja einfach die Reihe weiterführen und sich da an den Rand kuscheln. Das Fahrzeug ist also abgestellt. Zeit für einen ersten Rundumblick zur groben Orientierung. Da sitzen ein paar Leute, welche definitiv nicht Bewohner des Altenheimes sind. Da kann man ja mal hingehen. Im Näherkommen fällt auf, dass auch ein paar bekannte Gesichter darunter sind. Das ist wirklich schön und nimmt etwas die Aufregung. Entsprechend ist nach einer freundlichen Begrüßung schnell geklärt wo die Anmeldung ist. (Das stand ja eigentlich alles im Infoschreiben, aber das liegt gerade ganz unten im Kofferraum.) Nach dem Empfang des Zimmerschlüssels geht es zurück zum Auto und das Ausladen kann beginnen. Es ist immer wieder erstaunlich, was man alles so in den 10 Tagen brauchen könnte. Koffer, Tasche, Schuhtüte, Korb mit sonstigem Kleinkram sowie ein wenig Notration, falls es nichts zu essen gibt [Nachträgliche Anmerkung der Autorin: belustigtes Kopfschütteln], Instrumente, noch eine Tasche und zwei Notenbeutel werden also ins Zimmer verfrachtet. Erstmal aufs Bett setzen und durchatmen. Angekommen.

19:00 Uhr – Abendessen
Lecker würde ich das Essen nicht nennen. Ich finde es MEGA-lecker. Genau mein Geschmack! Wenn das so weitergeht (und es ging so weiter), wird es kein schöner Moment, wenn die Personenwaage das nächste Mal konsultiert wird. [Nachträgliche Anmerkung: Sie war sehr gnädig.]
Nach dem wirklich sehr leckeren Abendmahl steht nun der nächste Programmpunkt an:

20:00 Uhr – Vorstellungsrunde
Nun wird die 49. SCIW offiziell eröffnet. Während man den informativen Worten der Redner lauscht, kann man gut unauffällig einen neugierigen Blick in die Runde werfen. Da sitzen eine ganze Reihe unbekannter Menschen. Das soll sich jedoch gleich ändern. Eine kurze persönliche Vorstellung jedes Einzelnen wird angekündigt. Dazu eine kurze Zusammenfassung:
- Eine wohnt direkt an einem Radweg.
- Eine andere wohnt am anderen Ende des Radweges.
- Einer ist der mit dem Schal.
- Und eine spielt im Sandkasten.
Direkt im Anschluss gibt es noch eine kurze Zusammenkunft, wo man alles zu den Möglichkeiten der körperlichen Ertüchtigung erfährt.
Das war der erste Tag. Gar nicht mal so schlecht. Jetzt noch fix duschen (zum Glück schlagen die Temperatuschschwankungen des Wassers zu beiden Seiten aus, sodass man die Verbrühungen sofort kühlen kann [Nachtrag: Anscheinend war das ein exklusives Zimmerspecial.]) und ab ins Bett. Morgen geht’s zeitig los und zwar mit

Samstag, 30.06.2018
07:00 Uhr – Morgengymnastik …
bericht 01Es war ein Fehler. Ich wusste es von Anfang an. Noch halb schlafend torkele ich mit den anderen zur Wiese neben dem Waldhaus. Schon das reicht mir eigentlich. Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft direkt nach dem Aufstehen ist auch schon was. Aber nein, noch bin ich ja motiviert. Eigentlich. Aber als es dann darum geht mit den anderen auch noch zu sprechen, um deren Namen kennen zu lernen, brummelt der Schweinehund ganz schön laut. Ich könnte auch noch im Bett liegen. Ich hoffe, ich lasse mir nicht allzu viel anmerken und beginne nun mit den anderen im Kreis zu tippeln. (Der Anweisung „Jetzt mal ein bisschen schneller!“ folgen zum Glück die anderen auch nicht wirklich.) Die Dehnübungen sind dann schon etwas mehr nach meinem Geschmack. Die Kräftigungsübungen geben mir schließlich den Rest. Ich versage jämmerlich. Zum Glück wartet nun die warme Dusche mit integrierten Heiß-Kalt-Anwendungen.

08:00 – Frühstück
Was soll ich dazu sagen? Es ist lecker!!! Die Stimmung steigt wieder in einen soliden, positiven Bereich. Die erste Probe kann beginnen!

Sonntag, 1. Juli 2018
23:00 Uhr
Was bis jetzt geschah:
Die Zeit vergeht wie im Flug. Am Samstagvormittag fanden die ersten Registerproben statt. Die Erarbeitung eines Werkes mit einer Registerprobe zu beginnen ist für mich ein neues Vorgehen. Die Effektivität dessen war aber selbst für mich in der Orchesterprobe am Nachmittag, trotz der herrlichen Raumakustik, deutlich erkennbar. Zumindest bei Beethoven. Elgar ist nochmal etwas ganz Anderes. Da fällt es auch nach der Probe am Sonntagnachmittag und zweimaligem Public-Hearing am Abend schwer zu erkennen, wo man sich da einzufinden hat. Naja, die Woche hat ja erst begonnen…
Schade war, dass das gemeinsame Hören mit dem Abendsport zusammenfiel. Das gemeinschaftliche Auspowern hätte sicher gutgetan, aber so mussten Prioritäten gesetzt werden, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Montag, 2. Juli 2018
09:30 Uhr - Orchesterprobe in Gersdorf
Oooooh, das wird aber sehr kuschelig. Wenn man sich die vorbereitete Bühne anschaut, fällt es wirklich schwer zu glauben, wie man da Platz finden soll. Auf den hinteren Podesten steht Stuhl an Stuhl. Mehrere stabil gebaute Menschen würden da nicht nebeneinandersitzen können. „Richtet euch erstmal ein, ihr werdet sehen, dass das geht. Es ging doch auch letztes Jahr.“ Erstaunlicher Weise kann man diese Worte wenige Minuten später nicht mehr unwahr nennen. Man darf sich zwar nicht bewegen, weil man sonst die Noten des Hintermanns vom Notenpult schubst, aber jeder bekam seinen Platz zugewiesen und konnte seine Noten vor sich positionieren. Zum Glück haben wir in den hinteren Reihen sowieso jeder sein eigenes Pult. Sonst wäre es wirklich richtig spannend geworden. Aber so kann es nun tatsächlich pünktlich 9:45 Uhr losgehen.

12:45 Uhr – Mittagessen
bericht 02Das Schlimmste was passieren kann, tritt tatsächlich ein. Da kommt man mit knurrendem Magen zum Mittagsbuffet und es ist schon von Weitem erkennbar, dass die Behälter fast leer sind. Ja gut, Reis ist noch in Massen da, aber das Letzte Stück Hähnchen wird soeben in Besitz genommen. Die Reste der Soße und des Salats wurden auch bereits sorgfältig zusammengekratzt. Nicht schön. Gar nicht schön. Wie kann das denn passieren? Sonst war doch immer noch viel übrig, selbst als die letzten fertig waren. Und nun? Naja, man nimmt eben Vorlieb mit dem, was übrig ist – Reis – und gönnt sich danach ein Eis. Damit ist der Genugtuung genüge getan. [Nachtrag: Das war zum Glück ein einmaliges Erlebnis. An den anderen Tagen war stets alles im Überfluss vorhanden. Und es war immer lecker!!!]



22:15 Uhr – Sport – der zweite Anlauf
Rechts – links – rechts – links – Arme hoch! – rechts – links – runter – hoch – runter – hoch – eins – Kick! – zwei – Kick! - …
Der Schweiß fließt in Strömen, die Oberschenkel brennen. Ob es sich gut anfühlt etwas getan zu haben, entscheide ich morgen. Für heute reicht es.

Dienstag, 3. Juli 2018
07:45 Uhr – Aufstehen
Es fühlt sich gar nicht gut an. Oje oje!

20:30 Uhr – Feierabend
bericht 03Durch das Proben in der Kirche stellt sich ein Routinegefühl ein. Aufstehen – Frühstück - Fahrt nach Gersdorf – Probe – Pause – Probe – Fahrt ins Stift – Mittag – Pause – Fahrt nach Gersdorf – Probe (aufgelockert durch einen vorbildlich metrischem Nieser) – Pause - … und dann wurden wir schon wieder entlassen. Zumindest die Bläser. Nunja, so nutzten wir die Gelegenheit im Satz die letzten Dissonanzen auszuballancieren. Dann ging es wieder normal weiter mit Abendessen (natürlich wieder sehr schmackhaft und glücklicherweise auch wieder in ausreichender Menge). Der Abend steht nun zur freien Gestaltung zur Verfügung, wenn man nicht im Chor mitsingt oder diesen begleitet. Läuft man jetzt durch die Korridore des „Paul Lange“-Hauses kann man den verschiedensten Melodien lauschen. Da posaunen Posaunen, dort trällert Professor Sandmann und irgendwo dudeln auch noch ein paar Hölzer. Man fühlt sich wie „Und einmal, im Ferienlager, …“

Mittwoch, 4. Juli 2018
15:00 Uhr – Stausee Oberwald
Die Sonne wärmt die erfrischte Haut. Der Wind kitzelt sanft. Irgendwo bellen Hunde. Ab und zu läuft eine Schulklasse vorbei um sich auf den Rückweg ihres Wandertags zu begeben. Ja, der ganze Nachmittag steht zur freien Verfügung und so wird die Gelegenheit genutzt um den Sprung ins kühle Nass zu wagen. Naja, springen kann man es nicht nennen. Zunächst muss man sich, Zähne zusammenbeißend, über spitzen Kies kämpfen. Nicht jeder schafft diese Hürde. Maßnahmen zur Wundversorgung müssen ergriffen werden. Schafft man es jedoch, besteht die nächste Herausforderung darin, sich durch eine Lehmgrube zu wühlen. Dann jedoch wartet endlich der erfrischende Schwimmbereich des Sees. Es ist herrlich!

20:00 Uhr – Bunter Abend
bericht 04Wenn man ein wenig die Leute während des Abends beobachtet, kann man erkennen, dass der Bunte Abend eine gewichtigere Bedeutung innehat, als nur die bloße Unterhaltung. In den Proben spürt man so langsam die Anstrengung der harten Probenarbeit. Es fehlt die Lockerheit, denn so langsam wird es ja ernst. Das Bergfest ist erreicht. Bald finden die Konzerte statt.
Der Bunte Abend nun ist ein befreiendes Zurücklehnen. Er stellt das in den Mittelpunkt, was der Grund zur Teilnahme an der SCIW ist: Freude am gemeinsamen Musizieren und Freude am Beisammensein. Es geht nicht darum, etwas besonders gut zu machen oder sich hervorzutun. Jeder Beitrag jeglicher Art ist willkommen. Es ist der Rahmen für gemeinsames Singen und Tanzen. Es wird viel gelacht. Aber auch persönliche, tiefer gehende Gespräche werden geführt.
Besonders zu erwähnen ist die Integration der Kleinsten. Auch dies hebt der Bunte Abend sehr deutlich hervor, sei es durch die liebevolle Wanddeko, der musikalische Beitrag der Neuen Meister oder einfach nur das Gewusel der Zwerge zwischen den Gesprächsgruppen der Großen. Durch sie könnte man den Eindruck gewinnen, es handle sich um eine große Familienfeier.

Donnerstag, 5. Juli 2018
16:30 Uhr – Orchesterprobe in Gersdorf
So langsam setzt stellenweise Resignation ein. Bestimmte Töne wollen dem Instrument nicht entlockt werden. Oder wenn, dann nur zur falschen Zeit. Dies kann man auch im Gesicht des Dirigenten sehen. Ist es noch jemandem aufgefallen? Er schaut stellenweise sehr grimmig in die Runde. Galgenhumor lässt da an seine eigenen Worte erinnern: „Denkt euch ein Monster, oder schaut einfach vor!“ Naja, es sind ja noch zwei Tage Zeit. Das wird schon noch. Irgendwie.

Freitag, 6. Juli 2018
12:15 Uhr – Nach dem Dirigierseminar in der Kirche in Gersdorf
Dies war wirklich eine sehr interessante Erfahrung. Fünf Dirigenten, aber jeder ganz anders als die anderen. Und jeder nutzte seine Zeit anders: Die erste versuchte die Dynamik herauszuarbeiten, die Zweite arbeitete daran, die Gemütslage des Stückes zum Schwingen zu bringen. Die Dritte setzt mit ungarischem Temperament auf den Übergang zum Presto. Danach erlebten wir einen Kantor. Sein Dirigat kann nicht besser oder schlechter genannt werden. Es war einfach anders. Der letzte Seminarteilnehmer hatte schon allein aufgrund seiner Körpergröße eine ganz andere Wirkung.

Sonntag, 8. Juli 2018
19:30 Uhr – Abschied
Die letzten zwei Tage vergingen wie im Flug. Eine anstrengende Probenwoche ist nun vorüber. Die Konzerte sind verklungen. Überall sieht man zufriedene Gesichter. Alle verabschieden sich mit einem herzlichen „Auf Wiedesehen!“
bericht 05


Dem Leser mag dieser Abschluss des Berichts zu abrupt sein. Er passt nicht zur Ausführlichkeit der vorangegangenen Abschnitte. Jene wurden bereits im Laufe der Woche verfasst, immer unter dem Einfluss der jeweiligen Tageserlebnisse. Die Woche diente dazu, auf zwei Konzerte hinzuarbeiten. In ihnen gipfelten sich alle Anstrengungen. Hier zeigten sich die Resultate der Probenarbeit. Mir fehlen dazu einfach die Worte, die dem gerecht werden.